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Straight-Grain-Pfeifen rauchen sich besser (?)

#1 von NilsT , 29.03.2010 04:37

SCIENCE - STRAIGHT GRAIN - PFEIFEN RAUCHEN SICH BESSER (?)

Was ist eigentlich eine "Straight Grain" ?

Eine Straight Grain (übersetzt "gerade Maserung") verfügt über eine sehr gleichmassige, gerade, parallele, von oben nach unten verlaufende Maserung am Kopf (setzt sich uU am Holm fort, endet am Kopfboden und Kopfrand oben in sog. "Birdseyes")



Was ist das Spezifische am Material :

Das Wurzelknollenholz Bruyere hat verschiedene Bereiche, den inneren Bereich und den Bereich unter der Borke. Der Bereich unter der Borke (so etwa bis 10 cm der Hülle/Schale ) wird als "Plateau-Ware" bezeichnet. In diesem Bereich verläuft die Maserung oft strahlenförmig vom Wurzelmittelpunkt in Richtung Borke. Je grösser also die Wurzel ist, desto höher ist der Grad an Parallelität. Was hat das alles mit den Raucheigenschaften zu tun, fragt der brave Leser... Nun, in diesem Bereich ist die Porigkeit des Holzes im Vergleich zum Inneren derselben höher, das Holz ist also spezifisch leichter und kann über die grösseren Poren mehr Wasser aufnehmen (als das Holz im Inneren der gleichen Wurzel). Durch den gleichmässigeren Wuchs ist ausserdem im Plateaubereich die Fehlerquote und Verwindungsgefahr beim Trocknen/Feuchtigkeitswechsel des Materials kleiner. Es treten weniger Spannungsrisse und dergleichen auf...

Also: Man erkennt an der geraden Maserung und an den Birdeyes, dass das Material aus der Plateauschicht stammt. Es ist relativ leicht und saugfähig. das ist tatsächlich ein Vorteil für den praktischen Gebrauch (im Vergleich zum Inneren derselben Wurzelknolle) , da das Kondensat besser und schneller aufgesaugt wird und die Pfeife im Mund leichter ist. Voraussetzung für gute Raucheigenschaften ist also die "spezifische Dichte" oder "Wichte" des Materials..

Insofern ist die Maserung ein Indiz für gute Raucheigenschaften, A B E R :(!)

es gibt verschiedene Bruyeresorten und die Wuchsgeschwindigkeit (gröbere odere feinere Maserung) hat ebenfalls Auswirkungen auf die "Wichte" des Materials. Zum Beispiel sind griechische Knollen häufig sehr leicht, etwas gröber in der Struktur und somit insgesamt LEICHTER UND SAUGFÄHIGER . Sehr langsam gewachsene Knollen (KORSIKA) haben eine sehr enge und "schöne" Maserung (höherer Hartholzanteile) und sind im Vergleich zu den griechischen Knollen SCHWERER... Was heisst das nun?? Das heisst, dass in dem genannten Beispiel der innere Bereich griechischer Knollen (nicht gerade gemasert) leichter sein KANN als die Plateauware der korsischen Knollen.... Das wiederum heisst, da es ausschliesslich um die WICHTE geht, dass sich diese leichteren und saugfähigeren griechischen Knollen besser rauchen lassen als die korsischen... Das gilt natürlich nur, wenn der Wichte-Vergleich zugunsten des griechischen Klotzes ausfällt.

Insofern ist die Maserung KEIN zwingendes Indiz für gute Raucheigenschaften, liebe Raucher

Und es kommt noch schlimmer:

jeder, der schon mal einen Holzwürfel gebeizt hat weiss, dass am Stirn/Hirnholz viel mehr Beize/ Farbe aufgenommen wird als an den Seiten mit der sichtbaren Maserung, da die Fasern dort die Öffnungen haben. Dem Hirn/Stirnholz vergleichbar sind die Birdseyes. Also: Wenn wir viel Kondensat aufsaugen lassen wollen, dann geschieht das über möglichst grosse innere (im Kopf) befindliche Birdeyes-Flächen, das ist logisch. Bei Straight-Grain-Pfeifen haben wir diese Flächen am Kopfboden, relativ kleine Fläche also, dafür aber dort, wo sich unten tatsächlich das Konsensat sammelt...

Wie könnte man nun diesen Flächenanteil hoher Saugfähigkeit im Inneren des Klotzes vergrössern ?

Zum Beispiel hat ein Crossgrain geschnittener Klotz ein höheres inneres "offenes" Faseraufkommen, noch höher wird es, wenn man einen Crossgrain nun auch noch oval bohrt.... dann haben wir seitlich relativ riesige Kondensatsaugflächen, verglichen mit einer Straight-Grain, zumal einer relativ schweren korsischen, wenn man die wiederum mit einer oval gebohrten gröberen griechischen Crossgrain vergleicht.....

UND NUN ?

Liebe Pfeifenraucher, glücklicherweise muss man nicht alles jedes wissenschaftlich betreiben, man darf ruhig das gut finden, was man schön findet - und das "Auge isst mit" - natürlich, zum Genuss gehört eine Pfeife, die dem Nutzer gefällt und eine schöne straight gemaserte Pfeife ist selbstverständlich schön - ganz ohne Frage dazu noch selten, fehlerfrei noch seltener.... und das erhöht den Wert wegen Seltenheit und die Psychologie wertet das natürlich auch im Geschmack....



Trotzdem: die generelle Aussage, Straight Grains würden sich besser rauchen, ist verallgemeinernd unzulässig....

Es handelt sich um einen über die Jahre etablierten fehlerhaften Umkehrschluss....


 
NilsT
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zuletzt bearbeitet 18.04.2011 | Top

   

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