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Legenden über Lack und Leder

#1 von NilsT , 29.03.2010 04:39

SCIENCE - LEGENDEN ÜBER LACK UND LEDER

Worum soll es hier gehen ?

Hartnäckig hält sich die Meinung, Pfeifen müssten wegen des Geschmacks oder der Haltbarkeit "atmen" und jegliche porenschliessenden Beschichtungen oder Hüllen (Lack, Leder, Metall) und ähnliches seien schädlich.



Wie kam es zu dem Beitrag ? Ein Experiment war der Anlass...

Vor einiger Zeit habe ich einige alte, lange gebrauchte Pfeifen längs aufgesägt und dabei einige Feststellungen gemacht: Trotz jahrelanger Nutzung war das dunkle, schwärzliche Kondensat nur ca. 0,5-1 mm innen ins Holz eingedrungen, einige sandgestrahlte und dann schwarz gebeizte Pfeifen hatten Farbpartikel nur bis 0,2 mm stark nach innen in den Kopf eingedrungen. Die Holzschichten dazwischen waren fast jungfräulich im Aussehen.

Um das erstaunlich geringe Eindringen der Feuchtigkeit zu überprüfen, habe ich mehrere Stücken Bruyere in schwarzer Wasserbeize zwei Stunden lang gekocht und festgestellt, dass die Eindringtiefe wieder etwa 0,5 mm war... nicht mehr schwarze Färbung war nach dem Aufsägen zu entdecken...

Schlussfolgerungen:

1. Irgendwelche Beschichtungen/Farbgebungen schlagen sicher nicht von aussen nach innen geschmacksverändernd in den Kopf durch. Bei sehr grazilen Holmen kann ein Durchschlag von aussen nach innen , aber auch von innen nach aussen vorkommen (man sieht das gelegentlich an einigen Stellens sehr dünner naturfarbener Holme, schwarze Konsensatdurchschläge im äusseren Bereich) . Vorsicht bei Leinöl ! Leinöl, aber auch Nussöle "kriechen" sehr gut durch die Poren und könenn bei zu dickem Auftrag bei dünnwandigen Pfeifen / Holmen geschmacksverändernd wirken !

2. Das Trocknen ("Ruhen") der Pfeifen wird durch Beschichtungen nicht behindert, die Pfeifen trocknen von innen nach innen... daher ist besondere Obacht beim Trockenwischen der Rauchkanäle zu geben, das bisschen stehende Luft kann wenig Feuchtigkeit aufnehmen..... Ich mag insbesondere deshalb Steckerpfeifen mit konischen Zapfen, weil man problemlos Pfeifen ohne Mundstück lagern kann und trotzdem passende Verbindungen hat...

3. Lackierte Pfeifen lassen sich in der Regel genauso gut rauchen wie naturelle oder polierte, ...

ABER:

nun fragen wir uns einmal, warum einige Hersteller Pfeifen lackieren, transparent oder färbend-deckend ? Der Grund ist die schnelle Herstellung einer glänzenden oder matten Oberfläche und der Industrie und dem Preis geschuldet... Mit deckenden Lacken werden sicher nicht die möglichen Straight Grains behandelt, oder ? Mögliche Kittstellen lassen sich mit deckenden Lacken (Fancy-Pfeifen) sicher besser verstecken und gekittete Risse setzen sich oft im Inneren der Pfeifen fort... Ausserdem greifen sich Lacke mit der Zeit ab und hinterlassen zunächst blinde und später durchgescheuerte Stellen, die schlecht reparabel sind...

UND:

natürlich entsteht während des Rauchens durch die Hitze im Pfeifenkopf und die im Holz enthaltene Restholzfeuchte ein Dampfdruck nach aussen. Wenn der Lack nun nicht offenporig ist und bei Hitze weich wird, entstehen häufig kleine Blasen, die so erkalten, spröde werden und irgendwann aufplatzen und dann kleine kreisrunde Löcher hinterlassen.. die sehen nicht gut aus und dort ist das nun unbehandelte Holz feuchtigkeitsempfindlich .

In der letzten Zeit sind allerdings hochstabile und offenporige Lacke entstanden, die sich grundsätzlich auch für Pfeifen eignen. Der Nachteil allerdings, dass Beschädigungen schlecht zu reparieren sind, bleibt bestehen.. Die bei schön polierten Pfeifen entstehende Patina wirkt bei lackierten Pfeifen eher negativ und besteht dann eher aus - Dreck :-))

Lederbespannungen entstanden zunächst bei Meerschaumpfeifen zum Schutz der Oberfläche. Auch wurde bei dem stark mamorierten Tansania-Meerschaum aus optischen Gründen Leder verwendet, später wurden einige Pfeifen aus Bruyere ebenso komplettiert... Leder ist, solange es nicht aufgeklebt ist, natürlich nicht porenschliessend, macht die Pfeifen aber schwerer und - na ja - muss das sein ?

UND:

die polierten Pfeifen erhalten mehrere hauchdünne "einmassierte" Polierungen mittels Schellack und ähnlichem. Dadurch entsteht der umwerfende 3D-Effekt, der aus den Brechundindexen zwischen den hauchdünnen Schichten herrührt und zum Beispiel japanische Lackschachteln so teuer macht, die zum Teil hunderte derartige Poliervorgänge hinter sich haben... Die (glatt verschliffenen) Pfeifen der Pfeifenmacher sind natürlich in der Regel poliert, da es sich lohnt, die Maserung der Plateauhölzer hervorzuheben und da der Glanz und die Langlebigkeit einfach durch Lack nicht erreicht werden kann..

Grundirrtum war:

eine Pfeife muss nicht ATMEN, jedenfalls nicht durch den Kopf hindurch und nicht wegen des Geschmacks, jedenfalls nicht normal dimensionierte Pfeifen.. Lacke haben allerdings für den Benutzer einige der geschilderten Nachteile, die jedoch mehr die Langlebigkeit und die Haptik betreffen, selbstverständlich fasst sich eine gut auspolierte Pfeife angenehmer an und die sich mit den Jahren bildende Patina hat auch ihren Reiz..



Im Ergebnis des oben Geschriebenen könnte man sagen: Man sollte bei niedrigpreisigen Serienpfeifen mit Lack rechnen. Der muss aber nicht zu schlechter Rauchbarkeit führen.

 
NilsT
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"Gute" und "schlechte" Einrauchpasten - kleine Reparaturen im Tabakraum
Straight-Grain-Pfeifen rauchen sich besser (?)

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