Unbenanntes Dokument .......Sie sind derzeit im Nils-Thomsen-Forum, hier geht es zur ---> Homepage von Nils Thomsen

"Gute" und "schlechte" Einrauchpasten - kleine Reparaturen im Tabakraum

#1 von NilsT , 29.03.2010 04:40

SCIENCE - GUTE UND SCHLECHTE EINRAUCHPASTEN - KLEINE REPARATUREN

Was ist eigentlich eine " Einrauchpaste " ?

Einrauchpasten (besser: dickflüssige Mischungen) werden verwendet, um die Innenseiten des Kopfes zu beschichten, damit das Holz während des Einrauchens etwas geschützt ist. Sie haben in der Regel eine dunkelgraue/schwarze Farbe und bestehen aus verschiedenen zweckmässigen und unzweckmässigen Mischungen. Sie ersetzen das Einrauchen NICHT, sie erleichtern es jedoch (wenn es zweckmässige Mischungen sind). Leider werden die Pasten auch gebraucht, um Fehler im Kopfinneren zu verstecken.

GUTE Einrauchpasten

Das Rezept ist uralt, es wurde entwickelt, als es die ersten Holzpfeifen gab, die ja zunächst aus allen möglichen Hölzern bestanden, welche im Brennwiderstand nicht die hervorragenden Eigenschaften der Bruyerehölzer hatten. Nach vielen Versuchen (Gips, Ton..) setzte sich folgende Mischung durch: Wasserglas, Bimsmehl (Steinmehl, Schamottemehl), gemahlene Holzkohle, manchmal alles verdünnt mit etwas Wasser. Welche Aufgaben erfüllen nun die Bestandteile der Mischung ?

Wasserglas: Wasserglas wurde schon damals als Schutzmittel gegen Verbrennen eingesetzt, zum Beispiel an Dachholzkonstruktionen, so wie auch noch heute. Mit Wasserglas bestrichene Hölzer brennen schwerer an.

Bimsmehl: Bimsmehl verfestigt die Mischung und macht die Beschichtung rauh, so dass während des Einrauchens der Cake (Aschereste, Mineralien, Bitumen u.a.) sich besser anlagern und bilden kann. Gute Pasten kann man im Inneren des Kopfes fühlen, sie sind etwas rauh wie feines Sandpapier.

Kohlemehl: Das Kohlemehl verglimmt während des Einrauchens und macht damit die Beschichtung wieder porös, da der Pfeifenkopf in der Lage sein muss, Wasser aufzunehmen . Der vollständige Ersatz der Holzkohle durch Graphit (im Sinne von Gluthemmung) ist falsch, da es nicht verglimmt. Eine kleine Beimischung desselben kann aus Gründen des Aussehens sinnvoll sein, aber nicht aus Gründen der Funktion. Einige der mir bekannten Mischungen, die auf Holzkohle verzichten, sind erprobt worden und es stellte sich heraus, dass die Raucheigenschaften in Bezug auf die Wasseraufnahmefähigkeit dauerhaft abnahmen, da der Kopf innen z.T. versiegelt ist und bleibt..

Russ: wegen der satten schwarzen Farbe miche ich noch eine Messerspitze Russ (Pigmente) hinein.

Ich stelle die Paste /dicke Flüssigkeit wie folgt her: gemahlene Kohle und Bimsmehl volumenmässig ca. 1:1 mischen, dann mit sehr wenig Wasser zu einer sehr dicken Paste anrühren. Diese Paste ist sehr lange haltbar.Nach Bedarf fülle ich etwas davon in Gebrauchsgefässe ab und giesse mit ein wenig Wasserglas auf. Diese Mischung ist dann nicht sehr lange haltbar, sondern wird schnell (1-2 Wochen) hart, weswegen man nicht zu viel anrühren sollte.

Anwendung: Der Kopf soll innen etwas gröber (100er Papier) angeschliffen, sauber und fettfrei sein, dann etwas mit dem Finger anfeuchten (damit die Beschichtung eine gute Verbindung mit dem Holz eingehen kann und nicht zu schnell trocknet und reisst) . Dann dickflüssige Paste durchrühren und mit einem gefalteten/geknickten Pfeifenreiniger auftragen. Langsam trocknen lassen.

Die Paste hat so gut wie keinen Eigengeschmack, ist stabil und gut zu verarbeiten. Die Bestandteile kann man einfach erwerben, lagern und mischen. Ein Nachteil ist die relativ lange Trockenzeit, was insbesondere die Industrie stört. Dazu kommt noch die Notwendigkeit, die Paste immer wieder in kleinen Gebinden anzufertigen.

SCHLECHTE Einrauchpasten

Was ist , insbesondere für Massenhersteller, negativ an der Paste wie beschrieben ? Da haben wir einmal die Notwendigkeit, die Paste ständig neu anzurühren. Dann trocknet die Beschichtung langsam und das Wasserglas ist ätzend und muss vorsichtig verarbeitet werden. Daher werden verschiedene andere Mischungen angeboten und verwendet, die zum Beispiel Alkohole als Lösungsmittel, Gummiarabicum zur Verhinderung der Rissbildung in der Schicht, schwarze Beizen, Graphit anstelle gemahlener Kohle u.a. enthalten. Oft schmecken diese Pasten schlecht und lösen sich unter Hitze auf und dringen dann in die Poren ein, was zum Versiegeln führen kann und absolut unerwünscht ist. Manchmal werden anscheinend einfache Färbemittel verwendet. Es ist klar, dass diese Mittel die Pfeifen nicht schützen und wirklich Schaden anrichten (können), vom schlechten Geschmack einmal abgesehen, der dauerhaft sein kann, wenn Bestandteile relativ tief ins Holz eindringen...

Kleine Reparaturen von Einrauchfehlern / Ausbrennungen im Kopfinneren:

Es passiert manchmal, dass während des Einrauchens scharfer Bruyere-Geschmack oder sogar leichtes Knistern auftritt und man bei der Kontrolle kleine Risse im Kopf feststellt. Das kann sein, denn Steinchen / Spots / kleine Fehler im Holz des inneren Pfeifenkopfes sind nach der Herstellung nicht immer sichtbar , wenn sie sich dicht unter der inneren Oberfläche befinden. Dort können sich sofort beim ersten Rauchen Fehlerstellen bilden, auch wenn man alles "richtig macht" ... Aber auch, wenn versehentlich zu heiss geraucht wurde, haben wir diesen Zustand... Nun, ist nun Panik angesagt ? Nein, sicher nicht, wenn wir SOFORT handeln: Wir säubern die Pfeife innen und blasen sie aus, lassen sie abkühlen. Dann befeuchten wir die betreffende Stelle ganz wenig (mit einem Ohrputzer) und lassen etwas abtrocknen. Nun betupfen wir die Stelle mit etwas Einrauchpaste und lagern die Pfeife so, dass die Reparatur waagerecht zu liegen kommt (in Sand oder Silberpapier o.ä.). Nach dem Trocknen können wir das Einrauchen langsam fortsetzen. Der sich bildende Cake schliesst dann langsam die reparierte Stelle ein, die Pfeife ist nicht schlechter als eine ohne diesen kleinen "inneren" Schönheitsfehler.

ABER: Man muss sofort reagieren !

UND: Der Grundirrtum (auch einiger Händler) besteht darin, dass die Pasten das Einrauchen ersetzen könnte. Weit gefehlt ! Die (neuen Bruyere-) Pfeifen müssen IMMER eingeraucht werden. Nur wird das durch die Beschichtung erleichtert , man könnte auch sagen, es ist nicht ganz so gefährlich...

zurück nach oben


 
NilsT
Beiträge: 107
Registriert am: 12.03.2010

zuletzt bearbeitet 30.11.2010 | Top

   

Das Einrauchen
Legenden über Lack und Leder

Unbenanntes Dokument ---> Zur Homepage von Nils Thomsen
Xobor Forum Software von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen
Datenschutz