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Das Einrauchen

#1 von NilsT , 29.03.2010 04:50

SCHOOL - DAS EINRAUCHEN

Was ist eigentlich das "Einrauchen" ?

Das Einrauchen von Pfeifen ist für ein langes Leben der Holzpfeifen wegen der Brennbarkeit des Materials notwendig. Es beschreibt zwei ineinandergehende Vorgänge im Pfeifenkopf während der ersten Rauchvorgänge. Die Holzhärtung und den Aufbau der Schutzschicht in verschiedenen Phasen,.was ein wenig vom Rauchen mit oder ohne Filter beeinflusst wird. Vorsicht vor den Tricks der alten Literatur !

1. Die Holzhärtung der Pfeifenkopfinnenseite (Seite nach oben)

So wie in grauer Vorzeit die Spitzen der Holzspeere über Feuer gehärtet wurden, um sie widerstandsfähiger zu machen, genauso machen wur es auch mit unseren Pfeifenköpfen. Verständlicherweise würden die Spitzen der Speere so wie auch Grillspiesse verbrennen, wenn wir sie zu lange in das Feuer halten, dann is nix mit der Jagd und auch nix mit dem Spiessbraten, liebe Pfeifenfreunde. Wenn also (besonders zu Anfang der Karriere einer Pfeife) die Temperatur zu hoch wird, passiert dasselbe wie mit Speer und Spiess: Die Pfeife brennt an...

Sichere Anzeichen für beginnendes Abbrennen sind: -das Holz knistert wie in einem kleinen Kamin, -der Rauch schmeckt brenzlich und typisch für Bruyere (jaja, ich weiss, für den Anfänger sehr hilfreich, der kennt ja den Geschmack nicht, auch der Filterraucher spürt fast nichts, und wenn, dann ist es schon schön warm) - die Pfeife wird sehr heiss (jaja, was heisst das schon, dickwandige Pfeifen isolieren gut, wenn die nach der 3-Sekunden-Handrücken-Methode beurteilt werden, dann ist es oft echt zu spät, dünnwandige sind da direkter in der Kommunikation) - der Rauch wird heiss, besonders dann, wenn wir schon im unteren Drittel der Pfeife angelangt sind, es fliegt schon mal ein Aschekrümel in den Mund , sogar durch den Filter, also Vorsicht ! -nach den ersten Rauchvorgängen sieht man im Pfeifenkopf kleine sich kreuzende Spalten so wie ein ausgetrockneter Sumpf aussehend, die Würfelchen brechen irgendwann heraus und die Wand wird dünner. Gut ist, dass sich in aller Regel zunächst ein kleines Spältchen öffnet, welches sich fast immer mit der guten Einrauchpaste füllen lässt, es ist wie bei Karies - sofort füllen !

Diese Holzhärtung ist besonders wichtig im unteren Bereich des Pfeifenkopfes. Hier entwickelt sich die Temperatur besonders schädlich, also in dem Bereich noch ruhiger und sanfter ziehen als ohnehin schon empfohlen. Jetzt die gute Nachricht: Die Härtung ist nach 2-3 Rauchvorgängen abgeschlossen.

Anmerkungen:

A. Oilcuring (ich nenne das Wachshärtung oder gutdeutsch waxhardering ) wird bei über 200°C durchgeführt und härtet den Pfeifenkopf , das Einrauchen wird sehr erleichtert, die Pfeife schmeckt von Anfang an besser

B: Man kann die letzten halben Millimeter des Tabakloches mit einem konischen Hartholzstiel bohren, so wie die Naturvölker Feuer anzünden, es kommt zur Verkohlung am Stielende und an der Innenwand des Kopfes.

2. Der Aufbau der Schutzschicht ("CAKE") im Inneren des Pfeifenkopfes (Seite nach oben)

Unsere Pfeife ist aus brennbarem Material, eine Binsenweisheit, nicht wahr ? Daher brennt es leider, wenn auch das Bruyere eine gute Feuerfestigkeit besitzt. Auch die Auskunft einiger "Fachhandler", die Einrauchpaste wäre ein Ersatz für das Einrauchen bzw. den Aufbau der Schutzschicht, ist falsch. Aufgemerkt: JEDE (Holz)-Pfeife muss eingeraucht werden, auch Estates, die durch die Verkäufer innen "ordentlich ausgeschliffen" wurden, also weder Schutzschicht noch die erste angekohlte Holzschicht mehr haben. Das macht übrigens die Wandung dünner und dummerweise den Innendurchmesser grösser, so dass gleichzeitig mehr Tabak brennt und es noch ein bisschen heisser und gefährlicher wird. Nun, wenden wir uns aber wieder unserer harten Arbeit des Aufbauens der Isolierschicht, der Schutzschicht, des Cakes zu, der das Holz innen vor Verbrennen schützen soll. Diese Schicht besteht aus Bitumen, Asche, Tabakresten, Resten der Einrauchpaste, abgelagerten teergebundenen Mineralien und ist schwarz, hart und porös und ist innig mit der inneren, etwas angekohlten Kopfwandung verbunden. Diese Schicht bildet sich sehr langsam, sie ist nach auffassung der Engländer nach zwei-dutzendmaligem Rauchen ausreichend, der metrische Deutsche merke sich 25 mal Rauchen, dann ist der Anfang gemacht und man schmeckt mehr Tabak als Holz, die Brandgefahr sinkt und man kann beginnen, während des Rauchens nach den Tischdamen zu schielen.

2.1. Die Phasen des Aufbaus der Schutzschicht (Seite nach oben)

Erfahrungen während vieler Reparaturen von Pfeifen in meiner Werkstatt zeigen, dass überwiegend Ausbrennungen direkt über dem Rauchkanal, also im unteren Drittel des Pfeifenkopfes über dem Holm zu finden sind. Dies hängt mit der Zunahme der Strömungsgeschwindigkeit und damit steigender Gluttemperatur in diesem Bereich zusammen ( was in "SCIENCE") näher beleuchtet werden wird. Die Schlussfolgerung sollte zunächst sein, dass also hier die Schutzschicht zuerst und damit am besten ausgeprägt sein sollte, da hier, unmittelbar über dem Rauchkanal die Gefahr am grössten ist, das Pfeifenholz zu beschädigen. Und wenn das also stimmt, wäre die These, zunächst die Pfeife nur bis zum ersten Drittel oder unterhalb der Hälfte zu füllen, nicht von der Hand zu weisen. Das jedenfalls empfehle ich meinen Kunden, dann langsam immer mehr, bis dann nach ca. 20-25- maligem Rauchen die Gefahr nicht mehr so gross ist und sanftes Rauchen ganzer Pfeifenfüllungen genussvoll und ohne grössere Ängste möglich wird.

2.2. Der Einfluss des Filters auf das Einrauchen (Seite nach oben)

Bei Einsatz eines Filters ist die Beurteilung des Standes des Einrauchens etwas schwieriger, weil dem Rauch die Schärfe und auch der brenzliche Bruyere-Geschmack genommen wird, so dass man munter ganze Pfeifen aufrauchen könnte - nein, nein, ganz so schlimm ist es nun doch nicht. Aber auch der Zugwiderstand wird erhöht, was zu unbewusst stärkerem Ziehen führen kann. Ein Rat zur Abhilfe dieser Gefahr ist die Verwendung reiner Papierfilter (VAUEN Nr. 1) in der Einrauchphase, was wegen des Zungenspitzenselbstschutzes gleichzeitig zu sanfterem Ziehen führt und den Kopf vor Überhitzung schützt.

2.3. Die Tricks der Alten (Seite nach oben)

Der Grossvater rät zur Honigmethode: Man bestreiche die Kopfinnenseite vor dem Einrauchen mit Honig oder Zucker, oder man feuchte mit Whisky an. Nun, Honig und Zucker schmelzen, verbrennen, werden blasig und karamelisieren und schliessen unerwünscht die Poren des Holzes. Dabei kann es erst recht zum Anbrennen des Kopfes kommen. Whisky schadet eher nicht, aber trinken Sie trotzdem aus einem Glas und nicht aus der Pfeife. Jedoch ist es Unsinn, das Einrauchen zu erleichtern, denn leichtes Ankohlen der inneren Oberfläche ist nun einmal das Ziel, und wenn das der Whisky oder jede andere wasserhaltige Flüssigkeit zunächst verhindert, holt das die Pfeife später im trockenen Zustand eben nach, wenn man nicht mehr damit rechnet...

 
NilsT
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