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Unterwasserschliff und periodische Temperierung (neu 11.04.2010)

#1 von NilsT , 11.04.2010 23:01

Es ist eine Tatsache, dass viele Kunden und Erstkäufer einer neuen NTP-Pfeife mir sagten, dass erstaunlicherweise und im Gegensatz zu (manchen) anderen Herstellern diese Pfeife vom ersten Male an geschmeckt hätte - sehr erfreulich zu hören. Weiterhin seien die Oberflächen "samtig" und hätten eine lange Standzeit, ebenfalls erfreulich zu hören. Nun, ist das einfach Glück oder gibt es objektivierbare Ursachen dafür ?

Beschäftigen wir uns vielleicht mit einem Gedankengang, der vielleicht vor der vorauseilenden Ablehnung zunächst gelesen werden könnte: Es geht um die Wässerung des gesamten Pfeifenkopfes während der Arbeit und dessen periodische und dampfbefeuchtende Zwischentrocknung mittels UMLUFTOFEN und nicht ( wie schon behauptet wurde) per Mikrowelle, auch wenn das technische Gerät in meiner Werkstatt es (eigentlich) zuliesse. Nun, die Mikrowellenfunktion ist defekt und gerade deshalb trennte sich meine bessere Hälfte vom ohnehin eigentlich für Pfeifentrocknungszwecke zu teuren Gerät.

Kommen wir nach diesem kleinen Ausflug in die Denkstrukturen einiger ewiger Nörgler zum eigentlichen Gedanken:

1. Normalzustand des Klotzes vor der Bearbeitung

Der Klotz wurde aus einer frischen Wurzel geschnitten und dann, jedenfalls EIGENTLICH, einen oder mehrere Tage lang gekocht. Es geht hier um Reinigung und um das Verhindern der sogenannten "Saftspannung" und letztendlich um das verhindern des Reissens während der (eigentlich) mehrjährigen natürlichen Trocknung, an deren Realität 2010 man nun glauben mag oder nicht angesichts krisenhaft leerstehender europäischer Holztrockenwerke und des qualitätsmindernden Zeitfonds der Industrie... Ich setze voraus, dass jedenfalls, auch wenn alle "richtig" läuft, das Innere des Klotzes (wo später Tabakloch und Rauchkanal sitzen), nicht mittels Wasser "entsalzt", "entharzt" und "entmineralisiert" wurde, denn die Porenstruktur von Bruyere ist relativ fein und mehrtägige eigene Kochversuche belegen das ausserdem. Nun, was könnte man also tun ?

2. Das Bohren des Klotzes, das Waschen und das Temperieren

Ich bohre den Klotz, schleife gröbst die Form, wasche ihn und temperiere ihn dann etwa 10 Minuten unter Zugabe von verdampfender Feuchtigkeit. Man lese in einschlägiger Literatur nach, wie Holztrocknung funktioniert. Im Grunde ist es eine Dampftrocknung. Während des Waschens und nassen Ausbürstens des Rauchkanals werden geschmacksbeeinflussende Mineralstoffe gelöst und die Poren so noch zusätzlich etwas "offener" für die spätere Aufnahme des Kondensats. Später, beim Temperieren, spielen sich mehrere Vorgänge gleichzeitig ab : Der innere Dampfdruck drückt weitere Fremdstoffe (auch organische, zB Restharze und Restöle) aus den Poren in Richtung innerer und äusserer Holzoberfläche und ausserdem verdampft ein Teil davon gar lustig und auf Nimmerwiedersehen in die Umluft meines Öfchens. Im Endeffekt wird das Holz, besonders wichtig im späteren "Inneren" der Pfeife, weiter neutralisiert und porenoffener.

3. Die weitere Bearbeitung incl. Waschen und Temperieren

Nun geht es eigentlich ganz normal weiter, raspeln, feilen, grobschleifen, feinschleifen so bis 240ger Papier an Schleifscheiben und -bändern. Jetzt allerdings wird es Ernst, es geht ab ins Wasser und es wird per Hand mittels 400/600/800' er Nass-Schleif-Papier tatsächlich unter Wasser geschliffen, besonders zunächst mittels Holzhinterlegung die Holmübergänge zum Kopf und die Geradheit bzw. haptische Rundheit uswusf. Das beruhigt ungemein, dabei kann man trefflich andere Forumsbeiträge ersinnen und die Finger bleiben sauber, in Unschuld gewaschen sozusagen.... Das gleichzeitige Füssewaschen im Eimer sollte unterbleiben, auch das wurde ja schon unterstellt... Es ergibt sich hier vielerlei Vorteil: Staubfreiheit beim Arbeiten, Porenöffnung für die nachfolgende Kontrastbeize, langsame Formgebung und Vermeidung von "Schnelligkeitsfehlern", leichte Verliebtheit in die entstehenden Rundungen uswusf. Nun wird dann irgendwann zwischentemperiert und wir haben einen weiteren Vorteil: Alle Risse und Spannungsfehler, auch kleine Einschlüsse, die sich im Holz später erst beim Rauchen wegen der Temperaturerhöhung zeigen würden, zeigen sich JETZT bereits und können korrigiert werden. Es ist weiteres Fremdstoffaufkommen verschwunden (worden). Fein fein also.

Anmerkung:

Da grosse Teile des Feinschliffs bei mir sich eben so und nicht anders vollziehen, kann ich das Geseihere über angeblich notwendige riesige Bandschleifmaschinen, die rein materiell den "echten Künstler" ausmachen sollen angeblich und nur deren Vorhandensein im Verbund mit Zöpfchen und entsprechendem Habitus auf künstlerische Qualität schliessen liesse, nicht mehr hören. Es ist schlichter Schwachsinn, fertig. Ich benutze sehr effektive und sehr präzise etwas kürzere freilaufende Bänder in modifizierten transportablen und schnell justierbaren Bandschleifmaschinen und im Verbund mit meiner Methode geht das PRIMA. Und : Ganz ähnlich ist es mit meiner Sandstrahlanlage :-))))

4. Das Kontrastbeizen und Grundieren, danach wieder: "Temperieren".

Die meisten Kontrastbeizen enthalten irgendwelche Lösungsmittel, Alkohole und andere wasserunlösliche Mittelchen. Die Grundierungen sind ebenfalls lösungsmittelhaltig, Nitroverbindungen und Öle sind fast überall im Gebrauch, auch wenn es der gläubige Endkunde nicht wissen will. Was er glauben kann, ist die Tatsache des Verkorkens des Kopfes und des Holmlochs während dieser Arbeiten, einige grosse Pfeifenfirmen allerdings haben den Ruf, mittels Tauchvorgang zu beizen. Sei es wie es sei, es ist so, wie es ist. Diese ganze Kontrastbeizerei und Grundiererei ist tatsächlich notwendig und stellt die Schönheit der Maserung guter Hölzer, aber auch die äussere Holzhärtung und spätere Polierbarkeit in den Vordergrund. Dabei wird oft nach alter Methodik, aber mit unzweifelhaft besseren und modernen Mitteln gearbeitet. Diese Methodik ist oft wirklich gut, aber das Nutzen moderner Werkstoffe eben auch. Hier nutze ich nun ebenfalls den Vorteil des Temperierens: Der Dampfdruck aus dem Holz selbst drückt alle porenverschliessende Fremdstoffe nach aussen und ausserdem verdampfen/verdunsten wirklich ALLE Lösungsmittelrückstände. Die Pfeife riecht nach dem Erkalten wirklich nur noch nach Bruyere, besonders, wenn man den Kopf innen leicht befeuchtet.

5. Das Kontrastschleifen - wieder unter Wasser

Der Vorteil liegt in dem gleichmässigen Abschliff und dem Wegspülen des Schleifstaubs. Ausserdem sieht man den späteren Zustand besser, als wenn trocken geschliffen würde. Das mache ich oft mehrfach, ganz relaxt und oft in Gesellschaft, es wird natürlich immer zwischentemperiert, neu kontrastgebeizt und grundiert. Da das Heisstrocknen immer so 10-15 Minuten dauert, findet sich hier der Grund für meine winzigen Pfeifen, welche diese Zeit nutzvoll ausfüllen :-).... Die Oberfläche wird so nach und nach ganz organisch immer besser. Nach dem letzten Nassschliff (1000er Papier) wird temperiert, dann die erkaltete Pfeife samt Mundstück grob poliert. Reste des Poliermittels entferne ich dann wieder unter Wasser, um die Poren zu entfetten und zu öffnen für die EIGENTLICH vorgesehene Farbe der Pfeife, hier verwende ich oft selbst gemischte wässrige Lösungen oder Beizen, deren Lösungsmittel die Lösungsmittel der Kontrastbeize natürlich NICHT lösen dürfen. Andererseits habe ich einige Verfahren der Fixierung der Kontrastbeizen und später auch der Endfarben entwickelt, die sich auf alte Verfahren beziehen, aber moderne Werkstoffe nutzen.

Anmerkung:

Die Vorteile der Methode werden natürlich nur dann wirksam, wenn man auf nachfolgende ungeeignete Einrauchpasten verzichtet. Ich benutze konsequent NUR Bimsmehl, Holzkohlenstaub und Wasserglas, was leider oft neu und in kleinen Mengen angerührt werden muss... Der Kopf wird zur besseren Bindung vorher innen mit 100er Papier am "Rundstöckchen" ausgerieben, mittels Druckluft ausgeblasen und leicht befeuchtet. Egal, es geht ja nicht um grosse Stückzahlen, soviel Zeit muss sein :-)

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Liebe Leser !

Nun, so geht das augenscheinlich AUCH, es gibt keinen Anspruch auf die universelle Wahrheit, aber die Methodik hat sich in der Praxis bewährt. Es ist klar, dass alles zunächst erprobt und begriffen werden muss, nun, es sind 6 Jahre ins Land gegangen. Im Endeffekt scheint die Methodik einige positive Ergebnisse zu haben.

NT 2010


 
NilsT
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zuletzt bearbeitet 18.04.2010 | Top

   

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